✨ 3D Gaussian Splatting: Einstieg & Software 2026

Der schnellste Weg zum ersten Splat — und ein ehrlicher Überblick über die Tool-Landschaft.

Gaussian Splatting (3DGS) ist die aktuell beste Methode, um eine reale Szene fotorealistisch und in Echtzeit darzustellen. Statt eines Meshes speichert es Millionen winziger, farbiger Ellipsoide („Gaussians"). Diese Seite zeigt dir, wie du 2026 ohne Vorwissen deinen ersten Splat erzeugst, welche Software wofür taugt und in welchen Formaten du das Ergebnis weitergibst.

Inhalt
  1. Kurz: Warum Splatting statt Mesh?
  2. Schnellstart: erster Splat in 15 Minuten
  3. Aufnahme richtig machen
  4. Software-Vergleich 2026
  5. Desktop-Training: Postshot & Nerfstudio
  6. Hardware-Anforderungen
  7. Formate, Viewer & Blender
  8. Kurz-Checkliste

1. Kurz: Warum Splatting statt Mesh?

Photogrammetrie liefert ein Mesh — sauber, editierbar, aber ohne echte Spiegelungen und mit sichtbaren Grenzen bei Fell, Laub oder Reflexen. Gaussian Splatting liefert ein Radiance Field — es speichert die Erscheinung aus jedem Blickwinkel und wirkt dadurch oft fotorealistischer, gerade bei komplexen Oberflächen.

✅ Stärken von 3DGS

  • Echtzeit-Rendering (60+ FPS)
  • Fotorealismus inkl. Reflexen/Durchsicht
  • Schnelles Training (Minuten)
  • Kein Neural Network zur Laufzeit nötig

⚠️ Grenzen von 3DGS

  • Kein sauberes Mesh (schwerer editierbar)
  • Hoher VRAM-Bedarf beim Training
  • Große Rohdateien (Kompression nötig)
  • Keine klassische PBR-Materialtrennung

Gegen NeRF (der Vorgänger) gewinnt 3DGS vor allem bei der Geschwindigkeit: Es nutzt klassische Rasterisierung statt Ray-Marching durch ein Netzwerk und rendert dadurch um Größenordnungen schneller. Mehr Grundlagen auf der Seite 3D Gaussian Splatting.

2. Schnellstart: erster Splat in 15 Minuten

Der mit Abstand einfachste Einstieg braucht nur ein Smartphone. Scaniverse (von Niantic) ist kostenlos, läuft auf iOS und Android und trainiert den Splat direkt auf dem Gerät — ohne Cloud, ohne Account-Zwang, ohne PC.

App installieren

Scaniverse aus dem App Store / Play Store laden und öffnen.

Objekt/Szene aufnehmen

Neuen Scan starten, „Splat"-Modus wählen. Langsam und gleichmäßig um das Motiv gehen und dabei alle Seiten abdecken — als würdest du es filmen.

Verarbeiten lassen

Nach der Aufnahme rechnet die App on-device. Nach wenigen Minuten kannst du den Splat direkt drehen und ansehen.

Exportieren / teilen

Scaniverse exportiert u. a. als .spz (Niantics kompaktes Format) oder .ply. Damit geht es später in SuperSplat, Blender oder eine Web-Einbettung.

💡 Alternativen ohne PC: Luma AI (Cloud, freemium) und Polycam/KIRI Engine (freemium) können das ebenfalls. Nur Scaniverse ist aktuell komplett kostenlos und rechnet lokal.

3. Aufnahme richtig machen

Die Aufnahme entscheidet über die Qualität — egal ob Handy oder Kamera. Die Regeln ähneln der Photogrammetrie, mit einem zusätzlichen, kritischen Punkt: das Licht muss absolut konstant bleiben.

✗ Häufigster Fehler: zu schnell bewegen (Motion Blur) und zu wenige Blickwinkel. Das Ergebnis ist dann voller „Floater" — schwebender Farbwolken. Lieber eine Runde mehr drehen.

Video oder Fotos? Video ist bequemer und liefert viele Frames, neigt aber zu Bewegungsunschärfe. Fotos sind schärfer, aber aufwändiger. Desktop-Tools extrahieren aus Video automatisch Einzelbilder.

4. Software-Vergleich 2026

ToolKostenPlattformEinordnung
Scaniverse kostenlos iOS, Android Bester kostenloser Einstieg. On-device, kein Account nötig. Export als SPZ/PLY.
Luma AI Freemium App + Cloud/Web Video hochladen → fertig. Sehr einfach, Rechenlast in der Cloud.
Polycam Abo iOS, Android, Web Photogrammetrie und 3DGS, ausgereifte App. Splatting im Bezahl-Tarif.
KIRI Engine Freemium iOS, Android, Web App-Splatting im Bezahl-Tarif; bietet zusätzlich ein kostenloses Blender-Addon.
Postshot (Jawset) kostenlos Windows Bester Desktop-Einstieg: GUI, trainiert 3DGS & NeRF lokal, Live-Vorschau.
Nerfstudio (splatfacto) kostenlos Linux/Windows (CUDA) Profi-Framework, volle Kontrolle, gsplat-Backend. Für Terminal-Nutzer.
SuperSplat (PlayCanvas) kostenlos Browser Kein Training, sondern Viewer & Editor: Floater löschen, croppen, konvertieren.

5. Desktop-Training: Postshot & Nerfstudio

Postshot (Jawset) — der einfache Desktop-Weg kostenlos

Postshot ist eine Windows-GUI und der bequemste Weg, lokal auf dem eigenen PC zu trainieren. Seit dem Ende der Beta (Herbst 2025) sind alle Tarife kostenlos.

  1. Import: Fotos oder Video direkt hineinziehen (JPG, PNG, TIF, EXR, DNG/RAW sowie MOV/MP4/MKV — Frames werden automatisch extrahiert).
  2. Kameraposen: Postshot berechnet die Structure-from-Motion intern, du musst COLMAP nicht selbst bedienen.
  3. Training: Zielverfahren (3DGS oder NeRF), Splat-Anzahl und Trainingsschritte wählen. Eine Live-Vorschau zeigt den Fortschritt.
  4. Export: als .ply (Standard) und weitere Formate für Viewer/Engines.

Nerfstudio — die Profi-Kontrolle kostenlos

Nerfstudio ist ein Python-Framework mit dem Verfahren splatfacto auf dem gsplat-Backend. Es bietet die volle Kontrolle, ist aber terminalbasiert. Der typische Ablauf:

# 1) Kameraposen aus Bildern/Video berechnen (nutzt COLMAP)
ns-process-data images --data ./bilder --output-dir ./scan

# 2) Gaussian-Splatting-Training starten
ns-train splatfacto --data ./scan

# 3) Ergebnis im Web-Viewer ansehen und als .ply exportieren
ns-viewer --load-config ./outputs/.../config.yml

Befehle als Orientierung — genaue Optionen siehe offizielle Nerfstudio-Doku. Für Kameraposen ohne Framework nutzt man COLMAP direkt.

6. Hardware-Anforderungen

⚠️ NVIDIA-GPU nötig: Lokales 3DGS-Training läuft über CUDA. Richtwerte: Minimum ~RTX 3060 mit 8 GB VRAM, für große Szenen 12–24 GB empfohlen (z. B. RTX 4090). AMD- und Apple-Silicon-GPUs werden vom CUDA-Training nicht unterstützt.

Kein passender PC? Dann führt der Weg über On-device-Apps (Scaniverse rechnet auf dem Handy), Cloud-Dienste (Luma AI) oder experimentelle, plattformunabhängige Tools wie Brush (läuft u. a. auf AMD/Apple und im Browser, aber noch jung). Postshot verlangt mindestens eine NVIDIA-Karte der RTX-2060-Klasse (Compute Capability 7.5+).

7. Formate, Viewer & Blender

Die wichtigsten Formate

FormatGrößeEinsatz
.plygroß (unkomprimiert)Standard-Rohausgabe des Trainings, universell lesbar.
.splat~4–6× kleinerEinfaches, kompaktes Web-Format.
.spz~10× kleinerNiantics „Splat Zip", behält volle Spherical Harmonics, MIT-Lizenz. Scaniverse-Standard.
.sog~95 % kleinerSuperSplat-Format, maximale Kompression, schneller Web-Decode.

Seit 2025 standardisiert die Khronos Group zwei glTF-Erweiterungen (KHR_gaussian_splatting plus SPZ-Kompression). Splats wachsen damit ins glTF-/Web-Ökosystem hinein.

Anschauen & aufräumen: SuperSplat

SuperSplat (PlayCanvas, kostenlos, im Browser) ist das Schweizer Taschenmesser: Splat laden, Floater mit Box/Sphere/Brush entfernen, Szene zuschneiden, Opacity/Scale einzelner Gaussians anpassen und als PLY/SPLAT/SOG exportieren.

In Blender weiterarbeiten

Für Compositing mit klassischen 3D-Assets gibt es das kostenlose, quelloffene Addon „3DGS Render" von KIRI Engine (aktuell v5.x). Damit importierst, editierst und renderst du Splats in Blender — die neueste Version unterstützt sogar animierte Splat-Sequenzen (4DGS).

Kurz-Checkliste

💡 Passend dazu: Der Workflow-Überblick zeigt Photogrammetrie und Splatting nebeneinander, der Software-Vergleich listet Preise und Details.